Leoni: Gut verkabelt

Leoni ist ein Automobilzulieferer, der in den letzten beiden Jahren die Grundlage für eine deutliche Umsatzausweitung und steigende Profitabilität gelegt hat. Wer Geduld mitbringt, kann auf eine Verdopplung des EBIT im Jahr 2016 im Vergleich zu 2014 setzen. Daher ist die Aktie kaufenswert auf Sicht von 12 bis 18 Monaten.


Erstbesprechung vom 08.04.2015 auf Sharewise

 

Leoni ist ein weltweit tätiger Konzern und Hersteller von Drähten, Kabeln und Bordnetz-Systemen. Das Unternehmen ist folgerichtig in 2 Geschäfts-bereiche organisiert, die aufeinander aufbauen: Wire & Cable Solutions (WCS) und Wiring Systems Division (WSD). Der Bereich WCS stellt nicht nur Drähte und Kabel her, sondern vor allem das Knowhow bereit, um die Kundenanforderungen bezüglich Einsatz und Leistungsfähigkeit der Kabel zu befriedigen. Im Bereich WSD werden daraus Kabelsätze und komplette Bordnetz-Systeme sowie Komponenten für die internationale Fahrzeugindustrie entwickelt, produziert und vertrieben. Neben Produkten für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie vertreibt Leoni auch Spezialkabel nach Kunden-spezifikation und für spezielle Anwendungen, z.B. Datenleitungen und Netzwerk-Komponenten, Koaxial- und Instrumentenkabel.

 

Für das Jahr 2014 hat Leoni einen Rekordumsatz von 4.1 Mrd. Euro berichtet, nachdem man in 2001 erstmals die 1 Mrd. Euro Grenze übertreffen konnte. Dieses langjährige Wachstum ist vor allem darauf zurückzuführen, dass man in der Automobilbranche erfolgreich sowohl Kunden als auch Projekte akquirieren konnte. Dazu war es immer wieder nötig, neue Standorte aufzubauen - nahe an den Werken der Kunden. Dies verläuft nicht immer problemlos und ist ebenfalls mit erheblichen Vorlaufinvestitionen verbunden (in Maschinen und Mitarbeiter), bis das Werk ausgelastet ist und eine gute Profitabilität aufweisen kann. In 2014 gab es z.B. Probleme mit den neuen Werken in Mexiko und in der Ukraine. Das Konzern-EBIT von Leoni lag in den vergangenen beiden Jahren unter dem Rekordwert aus 2012, wo 238 Mio. Euro bei einem Umsatz von 3.8 Mrd. Euro erzielt worden waren. Dafür gibt es im wesentlichen 2 Gründe: deutlich gesteigerte Projektanzahl und erhöhte Investitionen. So waren in 2013 und 2014 jeweils 25 Neuanläufe zu meistern, statt der typischen 10 bis 15. Außerdem stiegen in den letzten 5 Jahren die nötigen Investitionen von 96 Mio. Euro in 2010 auf 219 Mio Euro in 2014 (+128%, natürlich ein Rekordwert). Beide Faktoren wirkten dämpfend auf die Profitabiliät. Positiv ist aber, dass Leoni trotzdem solide finanziert ist und einen großen Teil des Wachstums organisch erzielen konnte. Die EK-Quote liegt bei 34% und die Nettoverschuldung erreicht lediglich ca. 316 Mio. Euro Ende 2014.

 

Nun zum Ausblick: Nach eigenen Angaben bleibt das Unternehmen 2015 weiter auf Wachstumskurs und erwartet einen moderaten Umsatzanstieg auf ca. 4.3 Mrd. Euro, der vor allem von den Regionen Amerika und Asien/Pazifik getragen wird. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird mehr als 200 Mio. Euro betragen. Leoni investiert mit voraussichtlich 240 Mio. Euro abermals stark in seine künftige Expansion. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass man in 2014 die Neukunden Hyundai (Südkorea) und Geely (China) gewonnen hat und bereits das 5. Werk für eine deutsche Automarke in China aufbaut. In Nord- bzw. Südamerika sollten die Probleme im Werk Mexiko gelöst sein (Umstellung von Bordnetzen für LKW auf PKW) und ein neues Werk in Paraguay online gehen, intensive Aktivitäten werden unter anderem mit General Motors berichtet.

 

Leoni profitiert desweiteren vom Trend zu Elektroautos bzw. Hybridantrieben, da so die Komplexität der Bordnetze steigt und mehr und hochwertigere Kabel enthalten sind. Da diese Automodelle in der Regel eine Erweiterung des Sortiments der Hersteller darstellen, stellen sie auch einen zusätzlichen Umsatzbeitrag für Leoni dar. Allerdings sollte man diesen Punkt nicht überbewerten oder gar "hypen", der Umsatzanteil ist noch gering: in 2014 waren es lediglich 12.6 Mio. Euro von gesamt ca. 2.4 Mrd. Euro im Bereich WSD.

 

Wesentlich für die weitere Kursentwicklung ist viel mehr, dass Leoni für das Geschäftsjahr 2016 einen kräftigen Wachstumsschub auf 5 Mrd. Euro Umsatz erwartet. Dann sollen die zahlreichen Bordnetz-Projekte in voller Produktion sein, die in 2014/15 die höheren Investitionen erfordert haben. Leoni schreibt dazu: "Der daraus resultierende zusätzliche Deckungsbeitrag in Verbindung mit weiteren Effizienzgewinnen sowie deutlich geringeren Vorlaufkosten für neue Bordnetz-Projekte wird eine EBIT-Marge von 7 Prozent ermöglichen."

 

Hinter dieser Formulierung des Vorstandes versteckt sich für Aktionäre die folgende Rechnung: in 2014 wurde ein EBIT-Marge von 4.4 Prozent erreicht bzw. ein EBIT von 182 Mio. Euro und ein Ergebnis pro Aktie von 3,51 Euro. Wird die Prognose für 2016 eingehalten, resultieren aus 5 Mrd. Euro Umsatz ein EBIT von 350 Mio. Euro, was nahezu eine Verdopplung zu 2014 darstellt. Demenstprechend ist ein Anstieg des Ergebnis pro Aktie auf 7 Euro durchaus möglich! Vor diesem Hintergrund scheint der aktuelle Kurs von ca. 60 Euro und einem KGV 2016e von 8.5 nicht zu teuer, denn Leoni wurde bereits in der Vergangenheit ein KGV von bis zu 15 zugebilligt.

 

Daher ist die Leoni-Aktie mittelfristig interessant und ich sehe ein Kursziel von mindestens 75 Euro in 2016. Dabei sollte man sich aber klar sein, dass Leoni als Zulieferer ähnlich wie MTU Aero Engines volatil ist und auch einen deutlichen Rücksetzer erleben kann, wenn die Automobilindustrie schlechtere Absatzzahlen vermeldet. Gerade gegenwärtig senden z.B. Daimler und VW eher zwiespältige Signale. Wen das nicht schreckt, sollte eine Anfangsposition in Leoni aufbauen und einen Nachkauf einplanen. Last but not least: Falls der Kurs über 60 Euro steigen kann, winkt ein technisches Kaufsignal und der Vorstandswechsel vom jetzigen CEO zum derzeitigen CFO ist auch bereits in trockenen Tüchern.

 

Diese Analyse und Kaufempfehlung wurde zuerst auf Sharewise veröffentlicht: Link 

 

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