3+1=5 - der andere Wochenrückblick KW37/15

Krise, Krise überall: China, Japan, Konjunktur - Was mach' ich armer Tropf da nur? 

Meine Antwort: den COVACORO-Wochenrückblick lesen und nach 3 aktuellen Artikeln, die Krisen zum Thema haben, bewußt die Perspektive wechseln: Rückblende auf 2008, was dachte man damals, unmittelbar nach der Lehman-Pleite?


Der erste Artikel, der mir zuletzt aufgefallen ist, ist gar kein Artikel :-)  

Sondern der Marktkommentar einer Vermögensverwaltung (Mack & Weise) zum Stand der Dinge im August 2015.

Bereits der Titel Zuviel ist nicht genug signalisiert, hier denkt jemand "querbeet". Auch ist die Sprache schnörkellos und nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Meinung der beiden Fondsmanager zur Politik der Notenbanken ist jedenfalls klar negativ und das setzen sie in ihren beiden Fonds auch um, sprich: handeln nach ihren Worten. Das verdient Respekt. 

 

Warum ich den Marktkommentar lesenswert fand? Nicht weil er die Krise ausmalt und den großen Crash des "globalen 199-Billionen-USD-Kredit-kartenhauses" voraus sieht, sondern weil er den Aspekt der Illiquidität der Märkte in diesen Tagen anspricht und illustriert. Denn es ist ein Irrglaube, man könne jederzeit aussteigen, wenn einem die Sache zu heiß wird. Die konkreten Zahlen im Artikel zeigen: das war weder für Aktien noch für ETFs an den kritischen Tagen der Fall, es gab zahlreiche und signifikante Handelsaussetzungen und -unterbrechungen. Daher sei an dieser Stelle Warren Buffet zitiert: "Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen."

 

Apropos Fluchtreflex: ein lesenswerter Blogartikel dazu auf Never mind the markets von Markus Dittli. In China geht nicht einfach nur das BIP-Wachstum zurück, sondern es kehren sich auch die Kapitalflüsse um. Einstmals sich positiv verstärkende Faktoren wirken nicht mehr.

Wenn das Geld plötzlich rückwärts fließt beschreibt und argumentiert recht anschaulich, das ein neuer, mehrjähriger Zyklus angelaufen ist oder in den Worten des Authors: "Eine neue, turbulentere Ära hat begonnen."

 

Die dritte Leseempfehlung beleuchtet die Situation in Japan und wurde von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank geschrieben. Abenomics nehmen Fahrt auf beleuchtet drei interessante Entwicklungen: den boomenden Tourismus und die besseren Exportaussichten der Wirtschaft aufgrund der Yen-Abwertung, die Forderung nach mehr Kapitaleffizienz japanischer Firmen und die eingeleiteten Reformen hierfür, sowie last but not least die begründete Aussicht auf steigende Gewinne japanischer Firmen. "Nicht nur für Touristen, sondern auch für entsprechend risikobereite Anleger könnte sich der Weg nach Japan dementsprechend weiterhin lohnen." 

 

Zu guter letzt die versprochene Rückblende.

Der Artikel ist in der Kolumne "Die Vermögensfrage" der FAZ auf dem Höhepunkt der Finanz-krise im Oktober 2008 erschienen und stammt von Volker Looman, einem Finanzanalytiker aus Reutlingen. Er wurde also nur wenige Tage nach der Pleite der Investment-Bank Lehman Brothers (15.09.08) geschrieben, die das globale Finanzsystem an den Rand des Abgrundes gebracht hat. (Buch-Empfehlung hierzu: "Die Unfehlbaren" von Andrew Ross Sorkin, weitere Bücher auf meiner Bibliothek-Seite). An den weltweiten Börsen stürzten die Kurse. 

 

Warum ist dieser Artikel lesenswert? Sicher nicht wegen des Zahlenbeispiels zur Kapital-Allokation eines sehr wohlhabenden Rentner-Ehepaares, das eigentlich gar nicht auf die Kapitaleinkünfte angewiesen ist, weil die Pensionen und Renten die täglichen Ausgaben abdecken und man im schulden-freien Eigenheim wohnt. Sondern weil der Artikel gute, zeitlose Ratschläge enthält und für jede Vermögensgröße gilt. Es sind Strategie und Disziplin, die über Erfolg oder Mißerfolg entscheiden, Krisen hin oder her. Zitat aus 2008: "Von diesen Tugenden ist bei zahlreichen Anlegern im Moment freilich nicht viel zu spüren. Das heftige Erdbeben auf den Finanzmärkten hat private Anleger dermaßen in Angst und Schrecken versetzt, dass die meisten Vermögenspläne nur noch Schall und Rauch sind."


Mit Durchhaltevermögen und Disziplin konnte man 2008/09 überstehen, das sollte uns Mut machen und die derzeitigen Turbulenzen in Perspektive rücken. Daher unbedingt lesen:

Disziplin ist in stürmischen Zeiten die beste Tugend

 

Schönes Wochenende

Covacoro 


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