3+1=5 - der andere Wochenrückblick KW43/15

Der COVACORO-Wochenrückblick: lesenswerte Artikel aus der deutschen und englischsprachigen Blogszene, in Summe mehr als die Teile.


Gleich zwei prominente deutsche Blogger beschäftigten sich in den vergangenen 14 Tagen mit dem gleichen Thema, anbei die Links:

 

Holger Grethe von Zendepot: Welcher Broker ist der Beste?

Albert Warnecke von Finanzwesir: Den richtigen Online-Broker finden

 

Die Artikel enthalten viele richtige Aussagen, die ich aus meiner mehr als 20-jährigen Praxis bestätigen kann bzw. teile. Aber sie enthalten auch Punkte, wo ich eine andere Meinung und Erfahrungen habe. Offensichtlich sind beide Autoren schwerpunktmäßig mit Indexfonds unterwegs und wollen die sogenannten Flatfee-Broker (wie zum Beispiel Flatex, Aktionärsbank, Degiro usw.) daher nicht empfehlen. Der Finanzwesir ist skeptisch, ob diese Billig-Broker es mit Compliance ernst meinen und Kauf- und Verkaufsabrechnungen (vor allem aus steuerlicher Sicht) korrekt aussehen. Daher ist er bisher der Consorsbank treu geblieben. Holger von Zendepot sieht zwar die Vorteile der Flatfee, bemängelt aber die Gebühr für ausländische Dividenden, dieser Punkt ist aber für ETF-Anleger belanglos und was sind 5 Euro Gebühr einmal pro Jahr, wenn ich bei Kauf und Verkauf jeweils mehr als 20 Euro Gebühren einspare? Das Fazit von beiden Autoren geht in die Richtung, dass das zusätzliche Sparpotential limitiert sei und man ruhig mit Fixgebühr plus Provisionssatz (in der Regel 0.25% vom Transaktionswert) leben kann. Das mag für Einsteiger, kleine Depots und Sparraten sowie auf ausschließliche Buy-and-Hold ETF-Anleger zutreffen (letztere profitieren momentan auch von den Aktionen der ETF-Anbieter zum Kauf entsprechender ETFs ohne Transaktionskosten). Allgemein gültig ist diese Empfehlung aber nicht. 

 

Den idealen Online-Broker für alle Zwecke gibt es nicht.

Meine Empfehlung ist daher, dass man unbedingt mehrere Depots besitzen und auch verschiedene Broker für sich testen sollte. 

 

Zum Beispiel sind meine Erfahrungen mit Flatex seit mehr als 10 Jahren positiv und ich konnte sowohl bezüglich der Korrektheit der Abrechnungen noch der Geschwindigkeit des Service bei Rückfragen keine Nachteile gegenüber der DAB bank, Comdirect oder Consors feststellen. Für Anleger, die Aktien und Anleihen direkt kaufen wollen, nicht in aktiven oder passiven Fonds verpackt, sind die Flatfee-Broker eine ernsthafte und lukrative Alternative. Auch wer ETFs nicht nur bespart, sondern auch bei größeren Abschwüngen einen Ausstieg in Erwägung zieht (Stichwort: Stoppkurse, trendfolgende Strategie statt Buy and Hold, Verluste begrenzen), ist bei einem Flatfee-Broker besser aufgehoben. Denn mit einer einzigen Runde Verkäufe, wird der Kostenvorteil der kostenlosen Käufe in der Regel egalisiert bzw. verkehrt sich in das Gegenteil.

Bezüglich fehlerhafter Abrechnungen und den kleinen, immer mal wieder vorkommenden Problemchen und nötigen Nachfragen: einfach mal Google anwerfen und in den einschlägigen Foren nachschauen, welche Erfahrungen es gibt. Probleme gibt und gab es dort ebenso häufig mit den Online-Versionen der großen Filialbanken, den erwähnten Discount-Brokern mit prozentualen Provisionssätzen und mit den Flatfee-Brokern. Wer sich speziell zu Anleihen und Zertifikaten informieren will, sollte im bondboard oder bei zertifans.de vorbeischauen, bei Aktien und Fonds auch im Wertpapierforum und Aktienboard. Last but not least noch ein Satz zu den Werbeaktionen für Neukunden: wenn alle Broker diese einstellen würden, könnten sie sofort ähnlich gute Konditionen für den Wertpapierhandel anbieten wie Degiro und Flatex.

 

Die dritte Leseempfehlung kommt heute aus dem Blog "Kurs und bündig" des Manager Magazins: Das sagt Warren Buffett zur Volkswagen-Krise ist ein Artikel, welcher am aktuellen Beispiel viele Glaubenssätze von Warren Buffet bespricht und reflektiert, das fand ich lesenswert und gut gemacht. 

 

Wer seinen Blick mehr auf die makroökonomische Ebene lenken will, sollte sich die Artikel von Thomas Mayer nicht entgehen lassen. Der Volkswirt arbeitete zunächst am IfW in Kiel, bevor er für den Internationalen Währungsfonds in Washington tätig war. Danach folgten Stationen bei Salomon Brothers, Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Seit kurzem ist er für das Flossbach von Storch Research Institute tätig und seine Kolumnen erscheinen regelmäßig auf FAZ.net. In Die nächste Währungskrise lenkt er den Blick auf den Fakt, dass viele Länder ihre Währungen an den Dollar gekoppelt haben. Wenn die Zinsen wieder steigen würden, drohen Konflikte: die FED ist nicht als Kreditgeber der letzten Instanz für die zahlreichen Schuldner der Dollar-Peripherie konzipiert. Thomas Mayer sieht daher letztlich nur einen Ausweg: die Auflösung der Dollarzone. Ein provozierender und interessanter Gedanke.


Viel Spaß beim Lesen der Artikel wünscht Covacoro. 



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