3+1=5 - der andere Wochenrückblick KW45/15

Der COVACORO-Wochenrückblick: lesenswerte Artikel aus der deutschen und englischen Blog-szene. Unter anderem beantworten wir die Frage, was ein blinder Passagier, ein Krokodil und die Börse gemeinsam haben, also nicht verpassen !


Die erste Leseempfehlung möchte ich für das Interview mit Georg von Wyss aussprechen, das auf finanzen.net kürzlich erschienen ist. In meiner Link-Sammlung habe ich bereits den Blog "60 Rappen" der Investmentgesellschaft BWM (Braun, von Wyss und Müller) aufgenommen, da ich die unaufgeregte und sachliche Art ihrer Kommentare und Artikel schätze. Das Interview ist eine der kürzesten Zusammenfassungen, was den Value-Stil im Kern charakterisiert, die ich bisher gelesen habe. Was einfach klingt, muss nicht einfach umzusetzen sein, aber Mr. Market serviert uns dankenswerter Weise immer wieder Chancen zu trainieren und besser zu werden.

 

Weiter geht es mit einem sehr sympathischen und lesenswerten Artikel auf einem neuen Finanz-Blog: Mein ganz persönlicher Heureka-Moment. Er handelt davon, wie der Blogger entdeckt, dass das Konzept der finanziellen Freiheit wirklich umsetzbar und realisierbar ist. Und davon, welche Prozesse die Beschäftigung mit den eigenen Finanzen in Gang setzt: sich darüber klar zu werden, was einem wichtig ist und wo man Prioritäten setzen möchte zum Beispiel. Daher schaut doch mal auf finanzglueck.de vorbei !

 

Von Jason Zweig, Kolumnist des Wallstreet Journals sind zuletzt zwei Artikel erschienen, die sich mit dem Thema Vorhersagen und Prognosen beschäftigen. Leider beschränkt das Wallstreet Journal den Zugriff und man kann kostenlos nur einen Artikel pro Tag abrufen. Aber per Google-Suche und Lesezeichen kommt ihr trotzdem ans Ziel und ich liefere Euch beide Links und wie gewohnt eine knackige Zusammenfassung:

 

In 5 Ways to see the Financial Future geht es darum, wie man bessere Prognosen abgeben kann. Dazu wird das Buch "Superforecasting" von Philip Tetlock auf fünf Kernpunkte kondensiert. Für bessere Prognosen ist es erforderlich, stets

  1. eine Basisrate zu bestimmen (das heißt, das durchschnittliche Resultat und dessen Wahrscheinlichkeit in vergleichbaren Szenarien zu kennen)
  2. eine konkrete, quantifizierte Einschätzung vorzunehmen (mit Wahrscheinlichkeit X wird das Szenario Y im Zeitrahmen Z eintreten)
  3. die Gegen-Hypothese zu prüfen und zu berücksichtigen
  4. eine maximale Vielfalt an Informationen, Meinungen und Perspektiven zu suchen bzw. offen aufzunehmen sowie 
  5. die Argumentationskette der Prognose niederzuschreiben und jede Prognose, egal ob letztendlich richtig oder falsch im Nachgang zu analysieren, wo welche Fehler gemacht worden sind und wie der Prozess zu verbessern wäre.

Der zweite Artikel mit dem Titel The trick to making better forecasts beschäftigt sich dann mit der Anwendung auf die Börse und die Prognosen sowohl zu Unternehmen als auch makro-ökonomischen  Themen. Drei Viertel aller US Aktienfonds haben es in der vergangenen Dekade nicht geschafft, mit ihrer Aktienauswahl den Index zu schlagen. 98 Prozent der Vorhersagen zur Entwicklung des Zinsniveaus in der USA sagten für 2014 einen Anstieg voraus. Es kam anders, die sogenannten Experten lagen falsch. Nun zeigt das oben zitierte Buch in einer Studie mit 20000 Teilnehmern, dass ausgerechnet Amateure bessere Ergebnisse erzielten als Experten: sie waren öfter korrekt in ihren Prognosen und sie schätzten ihre Chancen objektiver ein. Was zeichnet die erfolgreichen "Superforecaster" aus? Worauf es ankam, waren nicht Fach-kenntnisse und Insiderinformationen, sondern Charaktereigenschaften wie Gründlichkeit, Neugier, Offenheit, Durchhaltevermögen und eine selbstkritische Einstellung zu sich selbst. Dies ergaben psychologische Tests an den Teilnehmern, weshalb Prof. Tetlock schlussfolgert, dass es wichtiger ist, wie man denkt, nicht was man denkt. Wie man denkt, kann man aber trainieren und lernen! Falls jemand an der nächsten Runde teilnehmen möchte, dem empfehle ich das Buch zu lesen und sich einfach unter www.gjopen.com anzumelden.

 

Nun aber zur Frage, die eingangs gestellt wurde: Was haben ein blinder Passagier, ein Krokodil und die Börse gemeinsam? "Sehr viel !" wird man ausrufen, wenn man den Blog-Artikel von Georg von Wallwitz gelesen hat. Blinde Passagiere und tolerierte Probleme gibt es allerorten. So lange der Flug angenehm ist und wie geplant verläuft, interessiert dies die meisten Menschen wenig bis gar nicht. Wenn aber die Turbulenzen, Luftlöcher und Gewitterstürme zunehmen, macht sich Verunsicherung breit und dann erinnern sich Passagiere wie Anleger plötzlich der möglichen Gründe für eine Verspätung oder Bruchlandung. Wie die Entdeckung eines blinden Passagiers zur Panik führen kann, beschreibt Sommermärchen mit Krokodil sehr anschaulich. Ein feiner Artikel zur Psychologie an der Börse und ein wertvoller Rat: "In Phasen des Misstrauens fallen dann die Börsenkurse und der Anleger ist gut beraten, seine Investitionen gut auf ihre Werthaltigkeit zu überprüfen." 

 

Gute Unterhaltung und den ein oder anderen Heureka-Moment beim Lesen der Artikel wünscht

Covacoro

 

P.S. Wenn Du ebenfalls einen lesenswerten Blog oder Artikel kennst, dann freue ich mich über einen Kommentar mit Link! Wenn Dir der Wochenrückblick gefallen hat, freue ich mich auch über einen Link oder Weiterleitung.



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