3+1=5 - der andere Wochenrückblick KW47/15

Der COVACORO-Wochenrückblick: lesenswerte Artikel aus der deutschen und englischen Blog-szene. Heute beleuchten wir ein Thema von drei Seiten: die Zinsen und fügen einen Artikel hinzu, der 5 Punkte und ein Bienchen verdient hat, eben drei plus eins gleich fünf :-)


Schon mal bei Google die Suchbegriffe "Zinsen" und "Dividenden" eingegeben? Nein?

Aktuell ergibt das allein im deutschsprachigen Internet 521000 Treffer! Ganz oben in den Hitlisten findet man ein neues Mantra: Dividenden sind angeblich die neuen Zinsen und daher solle man doch bitte in Aktien investieren. Das dies nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, ja oftmals irreführend oder grober Unfug ist, zeigt zum Beispiel der Artikel von Provinzler Die Renditefalle: Teil 1 auf dem Valueblog und ich hoffe natürlich auf Fortsetzung. 


Zweifelsohne sind die Zinsen derzeit niedrig, ja teilweise negativ, und der Rückgang in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigt auch die Ökonomen. Was sind die Gründe? Folgt das Ganze einem vorbestimmten Muster oder Gesetzmäßigkeiten oder ist es gar ein Mysterium, wie der Blog Never mind the markets titelt? Die nahe liegenden Argumente (wie zum Beispiel die expansive Notenbankpolitik seit 2008) sind laut Mark Dittli nur ein kleiner Teil der Erklärung. Viel mehr legt er dar, dass dieser Trend wesentlich früher begann und vermutlich auf drei Ursachen zurückgeführt werden kann: steigende Sparneigung, weniger Investitionen und eine zunehmende Risikoaversion - oder kurz: ein riesiges Überangebot an Geld. Wer die Details der Argumentation verstehen und den Ausblick wissen will, sollte also hier klicken.


Nachdem nun Privatanleger/Blogger und Ökonomen zu Wort kamen, sind die Profis dran.

Ein ziemlich prominenter Fondsmanager ist Bill Gross, der bis 2014 bei PIMCO einen großen Rentenfonds gemanagt hat und danach zu Janus Capital wechselte. Im April diesen Jahres gab er ein Interview auf CNBC, in dem er den deutschen Bundfuture als "Short of the lifetime" betitelte. Dazu muss man wissen, dass der Bundfuture den Kurs einer fiktiven 10-jährigen Anleihe der BRD mit einem Kupon von 6% widerspiegelt und bis auf 160 Euro gestiegen war, also genau spiegelbildlich verlaufend zu den sinkenden Zinsen. Ein Short bedeutet also das Spekulieren auf fallende Kurse bzw. steigende Zinsen. Ein halbes Jahr später sind wir alle schlauer: nach einem kurzen Rücksetzer auf 150 Euro ist der Bundfuture wieder da, wo er im April war und Jürgen Steffens kommentiert in seiner Kolumne treffend: der Short des Lebens lässt auf sich warten oder findet vielleicht auch in den nächsten Jahren nicht statt, wenn es nach der EZB geht.


Last but not least empfehle ich allen Lesern wärmstens den Artikel Der aktive Anleger - zwischen Pest und Cholera vom Finanzwesir. Er bekommt 5 Punkte auch wenn ich glaube, dass die goldene Mitte das Gebot der Stunde ist. Will heißen: ein Quäntchen Weltdepot, gerne simpel aus einem MSCI World und MSCI Emerging Markets ETF konstruiert und mit regelmäßigen Sparraten beglückt, so wie es die "passive Fraktion" propagiert und als Nonplusultra darstellt, aber dazu auch ein Quäntchen Heimat, Anstrengung und Gedanken in Form eines aktiv gemanagten Depots aus Aktien und Unternehmensanleihen, dass einer anti-zyklischen und Value-Strategie folgt und den Schwerpunkt in Werten hat, die in den großen Indizes nicht vorkommen. Das kann man schaffen, mit ruhiger Hand und ohne Aufgabe von Freizeit und Familie. Dabei ist es bei weitem nicht so schlimm, wie oft dargestellt wird, wenn man auf diesem Weg auch Fehler begeht und in psychologische Fallen tappt. Hauptsache man lernt daraus, bleibt am Ball und auf dem Boden. Aus Diskussionen mit anderen Anlegern kann ich aber bestätigen, dass oftmals Wissen aber auch Engagement und Durchhaltevermögen überschätzt werden. Daran erinnert dieser Artikel zweifellos - eben wie Katharina von Siena schon sagte: Das Beginnen wird nicht belohnt, einzig und allein das Durchhalten!


Viel Spaß beim Lesen, Nachdenken und Investieren und ein schönes Wochenende wünscht

Covacoro



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Kommentare: 2
  • #1

    Malte (Samstag, 05 Dezember 2015 12:22)

    Hallo Covacoro,

    habe gerade dein Wikifolio angeschaut und gesehen, dass du Softing diese Woche neu aufgenommen hast.
    Ich frage mal ganz direkt und offen: War das deine eigene Idee oder kam die Inspiration durch den Kauf von Michael C. Kissig?
    Bitte nicht falsch verstehen, wenn es durch Inspiration von Michael kam und du dich dann mit dem Unternehmen auseinander gesetzt hast und es gekauft hast, dann finde ich das völlig okay. Ich merke nur, dass es zwischen den verschiedenen Seiten der Value-Blogs erstaunlich viele Überschneidungen gibt....
    Grüße und ein schönes Wochenende
    Malte

  • #2

    Covacoro (Sonntag, 06 Dezember 2015 12:47)

    Hallo Malte,
    über Softing bin ich bereits 2014 gestolpert bzw. auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Die Aktie war "in" und hatte einen Höhenflug hinter sich (Anstieg von 7 auf 16 Euro). Damals habe ich mich nur eingelesen in Geschäftsbericht, Meldungen usw. und letztlich nix getan, weil sie mir zu teuer erschien. Anfang 2015 hat mich dann ein befreundeter Investor wieder auf Softing angesprochen und die Aktie war auf 13 Euro gefallen. Der Wert ist dann auf meine Watchlist gewandert und ich hatte eine erste "Einstiegszone" bei 10-11 Euro notiert. Da ich im September/Oktober den Cash im Wikifolio in Grammer und Leoni investiert hatte, war jetzt einfach die Gelegenheit da, nach dem Verkauf Abengoa und Teilverkauf Grammer.
    Grüße Covacoro