Neuigkeiten bei Wikifolio.com

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Bereits seit 2013 führe ich ein wikifolio für Family & Friends. Über die enthaltenen Aktien und seine Wertentwicklung berichte ich hier einmal pro Quartal. Im Großen und Ganzen sehr bequem, so ein Indexzertifikat: Nur ein Wertpapier bildet ein komplettes Depot ab und ist jederzeit an der Börse Stuttgart handelbar. Wesentliche Punkte zu Funktionsweise, Vor- und Nachteilen sowie Kosten kann man in diesem Artikel nachlesen. Heute geht es um zwei Neuerungen, die kürzlich in Kraft getreten sind.

 


SICHER IST SICHER

 

Bei den wikifolio-Zertifikaten handelt es sich um endlos laufende Indexzertifikate. Als Emittent tritt Lang & Schwarz auf, die Stammdaten des jeweiligen Depots sind über die Webseite von wikifolio jederzeit einsehbar. Die Düsseldorfer AG wurde 1996 gegründet und ist seit 2006 selbst an der Börse notiert. Die Haupttätigkeit war und ist die Emission von Hebelprodukten, daneben bietet man auch den außerbörslichen Handel wochentags von 7:30 Uhr bis 23:00 Uhr über zahlreiche Banken und Broker an. In 2012 wurde man Emittent und Market Maker der wikifolio-Zertifikate, die 2016 die Schallmauer von 5000 emittierten Papieren durchbrachen.

 

Mit der Investition in Zertifikate geht der Anleger normalerweise ein Emittentenrisiko ein. Sollte das betreffende Emissionshaus nicht mehr in der Lage sein, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, wird das Zertifikat wertlos. Dies stellt einen entscheidenden Nachteil im Vergleich zu Investmentfonds dar, wo das investierte Kapital der Anleger als Sondervermögen angelegt wird. Das bedeutet, es ist vom Vermögen des jeweiligen Emittenten oder der Fondsgesellschaft getrennt und im Falle der Insolvenz sicher. 

 

Lang & Schwarz und wikifolio.com haben sich nun entschieden, diesen Nachteil zu beseitigen und seit März 2017 sind sämtliche wikifolios, egal wann sie emittiert oder gekauft wurden, besichert (Quelle).

 

Die genauen Details der Besicherung erfährt man in der Meldung allerdings nicht. Es wird lediglich davon gesprochen, dass Lang & Schwarz zur Absicherung der Verpflichtungen aus verkauften wikifolio-Zertifikaten sämtliche Wertpapiere sowie Geldkonten an einen Treuhänder verpfändet.

 

Schaut man tiefer in den Basisprospekt findet man folgende Aussagen: "Die fiktiven Referenz-portfolien auf die sich die jeweiligen Indizes der wikifolio-Indexzertifikate beziehen, können Barmittel oder Wertpapiere enthalten. Der Anteil an den Erlösen aus dem Verkauf der wikifolio-Indexzertifikate, der sich auf diese fiktiven Barmittel bezieht, wird durch die Emittentin auf verschiedenen Kontokorrentkonten (unter anderem bei der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG sowie weiteren Kreditinstituten) hinterlegt. Der Anteil an den Erlösen aus dem Verkauf der wikifolio-Indexzertifikate, der sich auf fiktive Wertpapiere bezieht, wird in den entsprechenden Wertpapieren unterhalten. Hierzu erwirbt die Emittentin von der Lang & Schwarz Tradecenter AG & Co. KG, Düsseldorf, die notwendigen Wertpapiere." Alles klar?

 

Was kompliziert klingt, läßt sich wie folgt übersetzen: Der Cash-Anteil eines wikifolios muss je nach investierter Summe als Cash auf einem Konto einer Depotbank gehalten werden. Der Wertpapier-Anteil (Aktien, ETF, Derivate usw.) hingegen wird durch die Emittentin (Lang & Schwarz AG) von ihrem Tochterunternehmen (L&S Tradecenter AG) erworben und getrennt vom Eigenbestand bei einer Depotbank gehalten. Wir haben es also mit physischer Replikation oder Abbildung zu tun und die Besicherung tritt ein, indem: "Die Anleger in wikifolio-Indexzertifikate erhalten über einen Treuhänder (TEAM Treuhand GmbH, Berlin), Pfandrechte an Wertpapieren und Kontokorrentkontoguthaben sowie etwaigen Kontokorrentsaldoforderungen, die zusammen die Verpflichtungen aus diesen derivativen Wertpapieren decken."

 

Die Funktionsweise der wikifolios hat sich also überhaupt nicht geändert. Neu ist hingegen die Stellung eines Treuhänders, die stärkere Betonung der Depotbankfunktion und die Einräumung von Pfandrechten für den Fall der Fälle. Für den Anleger und den wikifolio-Trader entstehen dabei keine zusätzliche Kosten (diese trägt Lang & Schwarz), aber die Anlagegelder sind besser geschützt. Die Besicherung der wikifolio-Zertifikate ist insgesamt zu begrüßen und ein Schritt in die richtige Richtung.


UND AN DIE STEUER DENKEN

Die zweite Neuerung bei wikifolio.com ist leider nicht so positiv für die Anleger. Am 20.Juli 2016 hat sich die Besteuerung auf Dividenden auf deutsche Aktientitel geändert. Das Investmentsteuerreformgesetz trat in Kraft und §36a sollte sogenannte Cum/Cum- bzw. Cum/Ex- Geschäfte endgültig unterbinden, indem zum Beispiel bestimmte Haltedauern von Dividendentiteln vorgeschrieben wurden. Eigentlich sollen davon Privatanleger nicht betroffen sein, eigentlich.

 

Da aufgrund des wikifolio.com Prinzips die Nachvollziehbarkeit der Haltedauer und des Volumens nicht gewährleistet ist (jeder Anleger kann die Indexzertifikate börsentäglich kaufen und verkaufen), sind wikifolios betroffen und es wird ab 29.01.2017 ein Dividendenabschlag in Höhe von 15 Prozent entsprechend dem Gesetz einbehalten. Bis dahin wurden die Dividenden noch brutto (also zu 100 Prozent) dem Depot gutgeschrieben, das heißt ohne Abzug einer Steuer. Neben den entgeltfreien Transaktionen innerhalb des virtuellen Depots war dieser Punkt einer der wesentlichen Vorteile des wikifolio-Modells.

 

Seit Februar 2017 ist er Geschichte und das ist natürlich eine Verschlechterung gegenüber dem alten Zustand. Außerdem wurde die Änderung durch das Team von wikifolio.com unglücklich bzw. unzureichend kommuniziert. Zunächst erfuhr man darüber nur auf Nachfrage, wenn man sich zum Beispiel über die Höhe der Dividenden-Gutschrift wunderte. Später gab es einen FAQ-Eintrag und in verschiedenen Foren tauchten Nachfragen und Kommentare auf. Erst danach erfolgte eine allgemeine Email-Information der Wikifolio-Trader.

 

Und die nächste Steuer-Änderung steht bereits vor der Tür: die Investmentsteuerreform 2018 wirft ihre Schatten voraus. Anleger in aktiven und passiven Investmentfonds diskutieren bereits darüber, wie das Gesetzesvorhaben zu verstehen ist, welche genauen Auswirkungen zu erwarten sind und wie sich Teilfreistellungen, Vorabpauschalen und der Basiszins auf das jeweilige Produkt auswirken. Von Seiten wikifolio.com herrscht dazu noch Funkstille, aber ich gehe davon aus, dass auch die wikifolios betroffen sein werden.

 

Bezüglich der steuerlichen Rahmenbedingungen gilt damit sicher Heraklits Ausspruch:

Nichts ist so beständig wie der Wechsel.

 

Covacoro

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Arisu (Samstag, 13 Mai 2017 14:35)

    Guter Artikel. Die Besicherung hatte ich genauso verstanden, aber ich bin kein Experte und habe daher nach Quellen gesucht, die das näher erklären. Bedeutet dies im Endeffekt, dass das Emittentenrisiko nicht mehr existiert, solange auf Seiten von Lang und Schwarz alles mit rechten Dingen zugeht? Oder gibt es noch weitere Faktoren, die man bedenken muss? Übrigens, auch schön, dass du die Steuer ansprichst, danach habe ich nämlich auch gesucht und leider bisher nichts gefunden.

  • #2

    Covacoro (Sonntag, 14 Mai 2017 23:26)

    Ja, das hast Du richtig verstanden bzw. genauso sehe ich das auch.

    Die Informationen zu beiden Themen hätten auch für meinen Geschmack ausführlicher ausfallen können!