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Rezension: Kritisch denken im Zeitalter der Lügen

Rezension: Kritisch denken im Zeitalter der Lügen

Die heutige Rezension beschäftigt sich mit dem Buch Kritisch denken im Zeitalter der Lügen* von Daniel Levitin. Der Autor ist Neurologe und Kognitions-Psychologe in den USA.

 

Er entdeckte und beschrieb den nach ihm benannten Levitin-Effekt. Dabei handelt es sich um das Phänomen, sich ein Lied in der korrekten Tonart und Tonhöhe zu merken - unabhängig vom musikalischen Vorwissen oder Training.  

 

Sein Buch zu Fake News, Halbwahrheiten und Pseudo-Fakten ist im Mai 2018 im REDLINE-Verlag erschienen. Es wurde von Nikolaus Bertheau sehr gelungen ins Deutsche übersetzt.

 

In einer Welt, in der Nachrichten, Meinungen und Wissen stets nur einen Mausklick entfernt sind, sind die Kosten für die Informationsbeschaffung drastisch gesunken. Spiegelbildlich erhöht sich aber der Aufwand, um diese leicht zugänglichen Informationen zu bewerten und einzuordnen.

 

Was ist Wahrheit und was sind »alternative« Fakten, also Halbwahrheiten oder Lügen? Woran erkennt man Falschaussagen, die zum Teil gezielt platziert und eingesetzt werden, um Menschen zu beeinflussen? Wie erkennt man generell, ob eine Aussage oder Zahl richtig ist?

 

Für diese Fragen gibt es keine kurzen, einfachen Antworten. Und diesmal eilt uns auch kein Levitin-Effekt zur Hilfe, der uns irgendwie die Tonart einer Meldung (wahr, falsch oder von beidem etwas) korrekt einordnen läßt. Nein, in diesem Fall sind Training und Vorwissen notwendig, wie man der Wahrheit auf die Spur kommt.

 


Die Gliederung des Buches

 

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert und geht die Suche nach der Wahrheit sehr systematisch an. In der Einführung nimmt der Autor Bezug zur aktuellen Entwicklung in den USA und wie die Begriffe Fake-News, post-faktisches Zeitalter, Counter-Knowledge etc. entstanden sind. Dann folgen die 3 Hauptteile und am Schluss ein Block mit Fazit, Anhang, Glossar und Stichwortverzeichnis.

 

Wahrheit ist unverzichtbar, jeder Mensch möchte die richtigen Informationen um sich eine Meinung zu bilden und richtig handeln zu können. Aber mit fabrizierten »News« und reißerischen »Schlagzeilen« bekommt man Aufmerksamkeit. So erreichte beispielsweise die ausgedachte Pizzagate-Story 2016 Millionen Klicks, während ihre Entlarvung durch die Plattform Snopes nur 35000-mal aufgerufen wurde. Und mit Klicks läßt sich Geld verdienen.

 

So lange das Internet so funktioniert und viele Nutzer solche Meldungen gerne teilen, werden Menge und Verbreitung von zweifelhaften News weiter zunehmen. Das Gegenteil oder den mühelosen Sieg der Wahrheit über die Lüge zu erwarten, bleibt eine Illusion.

 

Daniel Levitin sieht es daher als Muss an, dass jeder selbst die Anstrengung unternimmt und fit wird, wahre von falschen Informationen zu unterscheiden. Er bezeichnet das als das Vermögen zu kritischem Denken.

 

Dazu gehört erstens der richtige Umgang mit Quellen, mit den verwendeten Zahlen und Statistiken. Früher sahen faktenbasierte Bücher oder Artikel schlicht authentischer aus, mit dem Internet hat sich das geändert und das Aussehen ist kein Maßstab mehr.

 

Dazu gehört zweitens der richtige Umgang mit falschen Argumenten oder fehlenden Fakten. Sowohl die Argumentationsketten als auch die Quellenangaben und Belege müssen unter die Lupe genommen werden. So entwickelt und verbessert man nach und nach sein Gespür für den Wahrheitsgehalt von Nachrichten und Berichten.

 

Last but not least: drittens gehört dazu das Wissen um die wissenschaftlichen Methoden zur Prüfung von Hypothesen und die Grundlagen der Logik. Die Kenntnis weniger Grundprinzipien hilft uns dann schon einen großen Schritt weiter und vermeidet falsche Schlussfolgerungen.

 

Im fünften Teil des Buches gibt es ein Fazit als kurze Zusammenfassung, einen Anhang, Glossar und Stichwortverzeichnis sowie selbstverständlich auch die Quellen und die Internetverweise zu den im Buch getroffenen Aussagen und behandelten Theorien.
Wer das Buch gelesen hat, wird dort sicher noch ein wenig stöbern.

 

Das Inhaltsverzeichnis im Detail: 

  • Einführung Kritisch denken
  • Erster Teil: Was Zahlen sagen
      • Plausibilität
      • Spaß mit Durchschnitten
      • Achsenspielereien
      • Die lustige Welt der Zahlen
      • Wie Zahlen ermittelt werden
      • Wahrscheinlichkeiten
  • Zweiter Teil: Was Worte sagen
      • Woher wir unser Wissen beziehen
      • Sachverstand erkennen
      • Alternative Erklärungen
      • Counterknowledge – »Gegenwissen«
  • Dritter Teil: Was die Welt uns sagt
      • Wie Wissenschaft funktioniert
      • Logische Fehlschlüsse
      • Wie wir wissen, was wir nicht wissen
      • Der Satz von Bayes
      • Vier Fallstudien
  • Fazit: Das eigene Denken entdecken
  • Anhang / Glossar / Anmerkungen / Stichwortverzeichnis

 

 

"Kritisches Denken bedeutet nicht,
alles pauschal infrage zu stellen;

es bezeichnet vielmehr den Versuch,
zwischen Behauptungen mit und ohne
geeignete Faktenbasis zu unterscheiden."

 

Daniel Levitin

Er spricht unseren Wunsch nach Reichtum an und konfrontiert ihn mit unseren tiefsten Ängsten. Der Zweck dahinter: Menschen zur Selbsterkenntnis zu verhelfen – damit sie reich werden können.

Wer Hill folgt, der muss vor allem richtig denken. Das setzt voraus, dass wir sechs Ängste überwinden. „Ängste sind nichts weiter als mentale Zustände“, schreibt Hill. Diese aber könne der Mensch kontrollieren und lenken – oder ganz unterdrücken. Wer das tun will, muss seine Ängste erst einmal erkennen: „Ehe wir einen Feind beherrschen, müssen wir seinen Namen kennen, seine Gewohnheiten – und sein Versteck.“

Er spricht unseren Wunsch nach Reichtum an und konfrontiert ihn mit unseren tiefsten Ängsten. Der Zweck dahinter: Menschen zur Selbsterkenntnis zu verhelfen – damit sie reich werden können.

Wer Hill folgt, der muss vor allem richtig denken. Das setzt voraus, dass wir sechs Ängste überwinden. „Ängste sind nichts weiter als mentale Zustände“, schreibt Hill. Diese aber könne der Mensch kontrollieren und lenken – oder ganz unterdrücken. Wer das tun will, muss seine Ängste erst einmal erkennen: „Ehe wir einen Feind beherrschen, müssen wir seinen Namen kennen, seine Gewohnheiten – und sein Versteck.“

Er spricht unseren Wunsch nach Reichtum an und konfrontiert ihn mit unseren tiefsten Ängsten. Der Zweck dahinter: Menschen zur Selbsterkenntnis zu verhelfen – damit sie reich werden können.

Wer Hill folgt, der muss vor allem richtig denken. Das setzt voraus, dass wir sechs Ängste überwinden. „Ängste sind nichts weiter als mentale Zustände“, schreibt Hill. Diese aber könne der Mensch kontrollieren und lenken – oder ganz unterdrücken. Wer das tun will, muss seine Ängste erst einmal erkennen: „Ehe wir einen Feind beherrschen, müssen wir seinen Namen kennen, seine Gewohnheiten – und sein Versteck.“

Er spricht unseren Wunsch nach Reichtum an und konfrontiert ihn mit unseren tiefsten Ängsten. Der Zweck dahinter: Menschen zur Selbsterkenntnis zu verhelfen – damit sie reich werden können.

Wer Hill folgt, der muss vor allem richtig denken. Das setzt voraus, dass wir sechs Ängste überwinden. „Ängste sind nichts weiter als mentale Zustände“, schreibt Hill. Diese aber könne der Mensch kontrollieren und lenken – oder ganz unterdrücken. Wer das tun will, muss seine Ängste erst einmal erkennen: „Ehe wir einen Feind beherrschen, müssen wir seinen Namen kennen, seine Gewohnheiten – und sein Versteck.“

 

 


Einige Kernaussagen und Highlights

 

Da ich bereits die Bücher Lügen mit Zahlen* von Gerd Bosbach und Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft* von Gerd Gigerenzer gelesen habe, war der erste Teil zu Zahlen, Statistiken und Diagrammen mir in den Grundzügen bereits vertraut.

 

Trotzdem hat er mir sehr gut gefallen, war flott zu lesen und durch die zahlreichen Beispiele und Diagramme gut verständlich. Besonders wichtig fand ich den Unterabschnitt zum Thema, wie Zahlen ermittelt werden: Nur weil da eine Zahl steht, heißt das nämlich noch nicht, dass sie korrekt ermittelt wurde und eine bestimmte Schlussfolgerung unterstützt. Die Fehler, die bei der Stichprobenauswahl passieren können, werden im Buch gut beschrieben.

 

Illustration von Piraro aus "Kritisch Denken im Zeitalter der Lügen"
Illustration von Piraro aus "Kritisch Denken im Zeitalter der Lügen"

 

Die Erhebung von Daten mittels Stichproben bleibt ein Kampf um die Vermeidung von Fehlern: Das Buch geht auf die Phänomene Vergleichbarkeit, Auswahlfehler, Kategorisierungsfehler und Definitionen, Standardisierung, Messfehler und Kontrollgruppen ein und erläutert, wie sie Statistiken verfälschen können.

 

Wenn man so einen Überblick erlangt hat, was Zahlen und Statistiken sagen und was nicht, bzw. wieviel kritische Aufmerksamkeit nötig ist, geht es im zweiten Teil um den geschickten Gebrauch und das Verständnis von Wörtern und Argumentationen.

 

Behauptungen, die an uns herangetragen werden oder auch Geschichten zu Abläufen und Kausalketten müssen mit derselben Konsequenz analysiert werden, wie Statistiken, Zahlen und Grafiken. Richter und Jurys wägen widersprüchliche Behauptungen gegeneinander ab und versuchen, der Wahrheit dahinter auf die Spur zu kommen. Als Leser im Internet müssen wir genauso vorgehen, also bestimmte Regeln beherzigen.

 

Einige Schritte und Verhaltensweisen, die der Autor im Umgang mit Informationen vorschlägt, möchte ich hier aufzählen:

  • Verifiziere die Quelle aus der die Information stammt und deren Motivation bzw. Glaubwürdigkeit.
  • Identifiziere das Kernargument bzw. die Kausalität (Ursache und Wirkung) mit dem der Bericht steht und fällt. 
  • Finde die "Top Level Domain" bzw. mindestens eine weitere, möglichst unabhängige Quelle für die Fakten dieses Kernarguments. Ist dies nicht möglich, sei besonders skeptisch.
  • Überprüfe, ob sämtliche Informationen des Berichts aktuell sind, ob sie so oder ähnlich bereits veröffentlicht wurden und ob es aktuelle Links bzw. Fußnoten zur Seite selbst, auf der Seite und von der Seite zu anderen, seriösen Internet-Auftritten gibt.
  • Suche aktiv nach der gegensätzlichen Meinung und stelle beide Hypothesen gegenüber, prüfe die Wahrscheinlichkeit für beide ab (wahr oder falsch zu sein).
  • Prüfe die Argumentationskette des Autors, auch wenn 7 Aussagen wahr und belegt sind, kann die 8.Aussage eine Behauptung und Assoziation sein, die sich nicht logisch aus der vorherigen Argumentationskette ergibt.

Ich denke, das sind sämtlich gute Ratschläge und man sollte zumindest einen Teil der Zeitersparnis, die das Internet als de-facto Informationsstandard für uns bedeutet darin investieren, durch etwas Recherche die erhaltenen Informationen zu verifizieren.

 

Denn es ist ja die Menge an "guten", wahren und wertvollen Fakten, also die Qualität, was wirklich zählt und nicht die Quantität, wenn es darum geht eine Entscheidung zu treffen.

 


Mein Fazit

 

Auf gut 300 Seiten hat Daniel Levitin ein sehr wichtiges Thema unserer Zeit behandelt: Wie wir zu kompetenten Lesern werden und den Wahrheitsgehalt von Statistiken, News und Berichten richtig einschätzen können. Das geht nur, indem wir unser kritisches und logisches Denken schulen.

 

Es liegt dem Autor fern, für oder gegen bestimmte Medien oder Quellen zu polemisieren. Er will seine Empfehlungen und Verhaltensweisen sowohl bei klassischen Medien (Zeitungen, Zeitschriften, öffentlich-rechtliche Anstalten) als auch bei neuen Medien (Internet-Seiten, Blogs, soziale Kanäle) angewendet wissen.

 

Das Buch ist flott und verständlich geschrieben und sowohl für den Laien, der sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat, geeignet, als auch für Leser, die bereits Berührung mit dem Thema hatten. Die zahlreichen Beispiele und Fallstudien sind gut ausgewählt und hilfreich.
Besonders gut gefallen hat mir, dass der Autor seine Leser ernst nimmt und ihr Bedürfnis nach Information, nach Gewissheit und nach dem Verstehen von Zusammenhängen. Dabei können Fehler passieren und niemand kommt als perfekter Nachrichtenanalyst zur Welt.
Wer das Buch gelesen hat, kennt zukünftig viele Fallstricke und erhält Vorschläge, wie und wann er nachfragen, nachhaken oder nachrecherchieren sollte, um Fake-News oder falschen Argumentationen nicht mehr auf den Leim zu gehen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und sicher nicht nur beim Lesen im Internet wertvoll. In Summe: Ein lesenswertes und gelungenes Buch, das ich meinen Lesern daher uneingeschränkt empfehlen kann.
Denn wie sagt der Autor in seinem Fazit treffend:
Wir sind besser dran, wenn wir weniger Dinge
mit Sicherheit wissen, als wenn wir viele Dinge wissen,
die womöglich nicht stimmen.

 

(c) 2018 Covacoro

 


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TED-Talk des Autors zu einem anderen Thema

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