Abengoa: international erfolgreich

Abengoa S.A. ist ein spanisches Unternehmen, das international in den Bereichen Umwelt und Energie tätig ist. Die Erstanalyse hatte Ende des Jahres 2014 eine günstige Einstiegsgelegenheit ergeben: Link. Nach der Veröffentlichung der Zahlen für 2014, für Q1/2015 und den letzten News rund um Unternehmen und Spanien wird es Zeit, die Aktie erneut zu analysieren, denn der Wert ist inklusive Dividenden um ca. 45% gestiegen.


Abengoa: Parabolrinnen-Kraftwerk (Solarthermie)
Abengoa: Parabolspiegel, Solucar nahe Sevilla, Spanien

Abengoa S.A. hat 3 Geschäftsbereiche, diese sind Engineering und Konstruktion, Konzessionen und industrieller Anlagenbau. Angeboten werden beispielsweise schlüsselfertige solar-thermische Kraftwerke, Windfarmen, Meerwasserentsalzungsanlagen, Abwasseraufbereitung und Recyclinganlagen sowie Anlagen zur Erzeugung von Biodiesel und Bioethanol. Darüber hinaus werden auf Konzessionsbasis auch Anlagen zur Energieübertragung betrieben (z.B. Überlandleitungen in Afrika und Lateinamerika).Das Unternehmen habe ich erstmals im Dezember 2014 genauer analysiert, den Text findet ihr hier: Link.

Bildquellen: Abengoa, Unternehmenswebseite  


Abengoa hat zunächst Ende Februar 2015 über das vergangene Geschäftsjahr berichtet. Die Zahlen bestätigen die positive Entwicklung des Unternehmens in 2014: EBITDA +11%, Net Income +24%. Für 2015 wurde ein sehr positiver Ausblick formuliert: da der Auftragseingang um 22% auf

46 Milliarden US$ gestiegen ist, erwartet man weitere profitable Verkäufe an Abengoa Yield und EIG. Die Zielmarke für die Umsatzsteigerung liegt bei +10% bis 11%, wobei man beim EBITDA eher vorsichtig ist (Steigerung um 0 bis 4%). Demgegenüber erwartet man aber für den Nachsteuergewinn eine deutliche Verbesserung um den Faktor 2.25 bis 2.5 (also mehr als eine Verdopplung). Der Abbau der Verschuldung und die eingesparten Finanzierungskosten dürften hier einen wesentlichen Anteil haben und stehen auch weiterhin im Fokus. 

 

Präsentation von der Abengoa-Webseite: Link


Abengoa: PS20 Solartower Kraftwerk
Abengoa: Solartower PS20, Solucar nahe Sevilla, Spanien

Ausserdem gab es weitere positive Nachrichten in der Zwischenzeit:

  1. Gewinn von Aufträgen in Chile, wobei man einen konkurrenzfähigen Preis im Vergleich
    zu konventionellen Kraftwerken für den solarthermisch erzeugten Strom bieten konnte (0.115US$/kWh) und zunächst 2 Anlagen a' 110MW errichten wird: Quelle
  2. Vereinbarung mit EIG über ein Joint-Venture im Volumen von 9.5 Mrd. US$: Quelle
  3. Aufnahme von Abengoa Yieldco in den NASDAQ Green Energy Index: Quelle
  4. Gewinn eines Auftrags in Saudi-Arabien für eine Meerwasserentsalzungsanlage,
    weltweit erstmals mit Solarthermie gekoppelt als Energielieferant:
    Quelle
  5. Positive News zur Bereinigung der Probleme bei den ausgegebenen Anleihen: Quelle 
    (Details siehe auch Text bzw. Link im ersten Beitrag zur Aktie.)


Sharewise: Abengoa-Empfehlung im Überblick, Stand 30.05.
Sharewise: Abengoa-Empfehlung im Überblick, Stand 30.05.

Die Aktie ist seit Dezember 2014 um ca. 40% gestiegen, konnte also einen Teil des Kursverfalls aus November wettmachen. Der Kurs liegt aktuell bei ca. 3.15 Euro (Stammaktie mit WKN 904239). Anfang April wurde eine Dividende in Höhe von 0.113 Euro je Aktie gezahlt, insgesamt damit ein Plus von 46% seit Einstand.

Sharewise: Abengoa-Empfehlung (blau) vs. DAX (grün)
Sharewise: Abengoa-Empfehlung (blau) vs. DAX (grün)

Am 14.05. wurden die Q1-Zahlen 2015 veröffentlicht: Bei einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres wurde ein Anstieg des EBITDA um 26% erreicht.

Es wurden ca. 1.4 Mrd. Euro Cash generiert: durch Zahlungen seitens EIG, dem Verkauf von Assets in Höhe von 614 Mio. Euro an Abengoa Yield (ABY) und Verkauf von Aktien (ABY). Damit wird der strategische Plan zum Schuldenabbau (Deleveraging) bisher planmäßig umgesetzt. Der Auftrags-eingang ist weiter hoch (Book-to-Bill Ratio von 1.6) und es besteht bis 2018 eine prall gefüllte Pipeline für neue Kraftwerke und Konzessionen.


Aber es gab auch einige überraschende Neuigkeiten und Entwicklungen:

  1. Der bisherige CEO (Amtszeit 5 Jahre) Manuel Sánchez Ortega hat am 18.05. in einer Aufsichtsratsitzung aus "stricly personal reasons" seinen Rücktritt erklärt, der vom Aufsichtsrat angenommen wurde. Neuer CEO wird der ehemalige CEO von Abengoa Yield: Santiago Seage Medela.
  2. Bei den Regional- und Kommunalwahlen Ende Mai in Spanien hat die konservative Volkspartei (PP) des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy starke Einbußen erlitten. Die aus der Protestbewegung hervorgegangenen Parteien Podemos ("Wir können") und Ciudadanos ("Bürger") erhielten v.a. in Madrid und Barcelona überraschend viele Stimmen. Die Kurse an den Börsen Spaniens standen daraufhin unter Druck, zahlreiche Kommentatoren sahen neben Griechenland dieses Ereignis als Grund für eine weitere Schwäche des Euros und der Börsen an (Quelle1 und Quelle2).
  3. Dubais Energieversorger hat den Abschnitt 3 eines Solarparks mit 800 (!) MW Leistung angekündigt. Beim Abschnitt 2 mit 200 MW Leistung, dem bisher größten Kraftwerk im Mittleren Osten, war ein Konsortium aus ACWA (Saudi-Arabien) und TSK (Spanien) zum Zug gekommen.
    Deren Solarthermie-Kraftwerke mit Parabolrinnen-Technologie und Stromspeicherung in Salztanks basieren auf der Technologie von TSK-Flagsol, einem Konkurrenten von Abengoa Solar (Link).

Der Kern der ursprünglichen Investmentidee ist weiter gegeben und wurde bestätigt: Nämlich ein günstiges Marktumfeld mit Zugang zu neuen Investoren, die auf der Suche nach regelmäßigen und attraktiven Ausschüttungen aus Konzessionen sind (siehe EIG und Abengoa Yield) und ein unvermindert hoher Auftragseingang in den Geschäftbereichen Solar, Wasser und Energieübertragung. Der Hickup mit den Bondinvestoren kann als weitgehend beseitigt gelten und der Deleveraging-Plan benötigt zwar Zeit, ist aber aus heutiger Sicht durchführbar und erfolgsversprechend. 

 

Erneut haben wir aber auch eine Phase der Verunsicherung für Abengoa: Dividendenabschlag, Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden und spanische (Innen-)politik sind hier die Schlagwörter und der Kurs der Stammaktie ist zuletzt von ca. 3.50 Euro auf 3.15 Euro zurückgekommen. Andererseits ist das Unternehmen immer noch günstig bewertet. Die Konsensschätzungen für den Gewinn in 2015 und 2016 liegen bei 0.26 bzw. 0.35 Euro (Quelle: Onvista), d.h. das KGV 2016e liegt unter 10 und dies wäre mehr als eine Gewinnverdopplung seit 2014. Hinzu kommt eine attraktive Dividende, wo ich sogar Spielraum für eine Erhöhung in der Zukunft sehe. Da Abengoa mittlerweile bei Wikifolio (bzw. Lang&Schwarz) handelbar ist, habe ich daher die momentane Kursschwäche zum Nachkauf in der Aktie genutzt, denn ich bin weiter von diesem Investment überzeugt! 


Disclaimer: Die Daten wurden sorgfältig recherchiert und stammen von der Unternehmens-Webseite und öffentlich zugänglichen Quellen. Trotzdem stellt die Analyse lediglich die persönliche Sicht des Autors dar und kann fehlerhaft sein. Vor jeder Anlageentscheidung sollten Leser sich daher selbstständig über die besprochene Aktie informieren und eigenständig entscheiden. Der Autor weist darauf hin, dass er die im Artikel besprochene Aktie im Privatportfolio und -wikifolio hält und sie jederzeit und ohne darüber zu informieren zu- oder verkaufen könnte.  

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Philipp (Donnerstag, 18 Juni 2015 10:18)

    Abengoa find ich von den langfristigen Aussichten her auch klasse und Spanien kommt langsam wieder siehe auch hier: http://www.investresearch.net/abengoa-aktienanalyse/

  • #2

    Covacoro (Donnerstag, 18 Juni 2015 17:20)

    Danke für deinen Kommentar und Link, Philipp.

  • #3

    Covacoro (Sonntag, 05 Juli 2015 17:32)

    Hier ein interessanter Link zu einer "Investor Day" Präsentation von Abengoa für das 1.Halbjahr:
    http://www.abengoa.es/export/sites/abengoa_corp/resources/pdf/en/gobierno_corporativo/acciones/agenda_del_inversor/20150407-1-Abengoa-3.0-Completing-the-Transformation-Process.pdf