3+1=5 - der andere Wochenrückblick KW08/16

Der COVACORO-Wochenrückblick: lesenswerte Artikel, interessante Kommentare, spannende Entwicklungen. Heute bespreche ich Beiträge aus der Schweiz, Deutschland, den USA und Indien, also ein wirklich internationaler Mix. 


 

Starten möchte ich mit dem Artikel Vier Rätsel der Weltwirtschaft von Tobias Straumann. Den Blog Never mind the markets habe ich an dieser Stelle ja bereits des öfteren zitiert und er ist auch Teil meiner Link-Sammlung zum Thema Finanzen und Value-Investing.

 

Der Autor zählt vier Rätsel auf, mit denen sich die Ökonomen, sicher aber auch viele Anleger und Politiker derzeit auseinandersetzen: 

  • Warum wächst die Produktivität kaum noch?
  • Wo bleibt die Inflation?
  • Warum übertreffen momentan die negativen Folgen des niedrigen Ölpreises die positiven?
  • Warum versetzen die neuen ökonomischen Zahlen Chinas alle in Alarmzustand, wo doch zum Beispiel am US-Außenhandel China nur einen niedrigen prozentualen Anteil hat?

 

Gleichwohl es für jede Frage nahe liegende und offensichtliche Antworten gibt, wird der Artikel für mich genau im zweiten Absatz interessant: Tobias Straumann liefert gut bedachte Einwände für jeden Punkt und bietet danach vier spannende Hypothesen auf, diese Rätsel zu erklären und verständlich zu machen. Jeder Mensch sucht nach Erklärungen und Mustern, oftmals muss man sich aber wirklich anstrengen, weiter und um die Ecke zu denken, ausgetretene Denkpfade zu verlassen. Daher empfehle ich den Artikel an dieser Stelle als gutes Beispiel !


 

Zurück nach Deutschland: einmal im Monat präsentiert Dr.Georg von Wallwitz sein Börsenblatt. Die Nummer 113 mit dem Titel Bär ohne Eigenschaften ist wieder sehr gut gelungen. Dieser Artikel knüpft in gewissem Maße an den ersten Artikel an: wenn Anleger händeringend nach einer Geschichte suchen, um zu rechtfertigen, was sie tun, dann können schnell Herdentrieb und Emotionen das Ruder übernehmen.

 

Die wichtigsten Thesen des Artikels aus meiner Sicht:

  • Für den Kursverfall wird eine Kaskade von Gründen verantwortlich gemacht, allerdings bleibt keine Begründung ihm dauerhaft erhalten. 
  • Die Aktienmärkte sind in etwa so bewertet, wie es in einer Rezession zu erwarten wäre, der Autor sieht aber in den Fakten keine Beweise für eine Rezession.
  • Wo und wann dieser Bärenmarkt zu Ende sein wird, entzieht sich der Kenntnis des rationalen Anlegers. Wesentlich ist, auf die Bewertungen der Aktien sowie den Zustand der Bilanzen und Geschäftsmodelle zu achten, das Rezessionsrisiko richtig einzuschätzen und sich einen langen Zeithorizont zu bewahren.

Dem guten Artikel ist kaum etwas hinzuzufügen, vielleicht nur ein Punkt von meiner Seite: und hüten sollten wir uns, in die Kristallkugel zu schauen und zu sehr auf Prognosen egal von welcher Seite zu vertrauen. Ein klassisches Beispiel: die Revision des Welt-BIP-Wachstums im Zeitverlauf, wie es dieser Chart anschaulich macht.


 

Wie den Lesern meines Blogs nicht entgangen sein dürfte, bin ich im Kern ein Value-Investor. Auch wenn ich mich aktiv bemühe, über den Tellerrand zu schauen und viele Anregungen zu finden, lese ich daher gern in anderen Blogs mit Value-Ausrichtung.

 

Eine kürzliche Entdeckung ist der Blog Safal Niveshak aus Indien in englischer Sprache. Safal Niveshak ist Hindi und bedeutet "erfolgreicher Investor". Die Seite ist seit 2012 online und lohnt einen ausführlichen Besuch, denn es gibt manch lesenswerten Artikel zu entdecken und vielleicht möchte ja der eine oder andere auch das Investor-Manifesto für sich selbst downloaden und ausdrucken. Fehlervemeidung sollte nämlich ganz oben auf der Agenda stehen. Der aktuelle Blog-Artikel How to deal with stock market turbulence ist daher nur ein Appetithappen. Schaut doch mal rein und lasst Euch überraschen, wie Value Investing aus indischem Blickwinkel und in einem Emerging Market funktioniert. Was uns zum Zitat der Woche bringt:

 


„Der Kern einer Strategie besteht darin

zu bestimmen, was man nicht macht.“

 

Michael E. Porter


 

Last but not least, möchte ich das aktuelle Memo von Howard Marks empfehlen. Natürlich nur für diejenigen, die noch neun Seiten intensiven Lesestoff verkraften können und keine Weisheiten mit der Zeichenlänge einer Twitternachricht erwarten. Als erfolgreicher US-Fondsmanager stellt er die Frage: What does the market know (Downloadlink) und spannt den Bogen von der Finanzkrise 2008 über den Punkt, was fallende Märkte über Wert und Psychologie allgemein aussagen bis zur Frage, ob und was sie für die eigenen Investmententscheidungen bedeuten. Sehr lesens- und bedenkenswert !

 

 

Ein schönes Wochenende wünscht

Covacoro

 


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