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Rückspiegel 04/17

Ein arbeits- und ereignisreicher April liegt hinter uns und es ist Zeit für einen Blick in den Rückspiegel!

 

Los geht es mit einigen Anmerkungen zur Entwicklung bei Aurelius, Dialog Semiconductor und Manz, die sich in meinem Wikifolio befinden.

 

 

Danach möchte ich drei Artikel vorstellen, die kürzlich erschienen und lesenswert sind.

 


 

In meinem letzten Wikifolio-Quartalsbericht vom 10.04. schrieb ich zu Aurelius:

 

"Wie geht es nun weiter? Der Aktienkurs wird um die 40+x Euro pendeln, weil die Investoren einen Risikoabschlag vornehmen bzw. die Chancen des Unternehmens geringer einschätzen, weiter erfolgreich zu sein. Gelingt es der Aurelius Holding und den Portfoliounternehmen in 2017 erfolgreich zu agieren - operativ voranzukommen und mit profitablen Verkäufen - wird der Aktienkurs Ende des Jahres vermutlich wieder an der 50 Euro Grenze kratzen."

 

Nur 2 Wochen später gab das Unternehmen den erfolgreichen Verkauf der Beteiligung SECOP für 185 Mio. Euro bekannt und kündigte eine Dividendenerhöhung auf 4 Euro an (Link). Beide Vorstände haben, nachdem der Deal unter Dach und Fach war, Aktien des eigenen Unternehmens für in Summe 10 Mio. Euro gekauft, seit Ende April läuft zusätzlich ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 50 Mio. Euro. Last but not least sind die Quartalszahlen vom 2.Mai ansprechend ausgefallen, so dass der Kurs der Aktie nun bis auf knapp 47 Euro angestiegen ist.

 

Wenn man berücksichtigt, dass sich der berichtete Verkauf erst in den kommenden Quartalszahlen niederschlägt und dass die hohe Dividende einer Rendite von knapp 9 Prozent entspricht, sollte der Kurs gut nach unten abgesichert sein. Im weiteren Jahresverlauf wird sich dann zeigen, ob das Unternehmen auch eine höhere Transparenz anstrebt, um ähnlichen Attacken wie die von Gotham City zukünftig vorzubeugen. Wie im Wikifolio-Artikel beschrieben wäre das meiner Meinung nach das i-Tüpfelchen zu einer guten operativen Entwicklung und Garant für weiter steigende Kurse.

 

Die Dialog Semiconductor Aktie verlor am 11.04. hingegen an einem Tag zweistellig, weil in einer Studie des Analysten Karsten Iltgen von Anzeichen gesprochen wurde, dass Apple bei Chips für das Strommanagement "schon ab 2019" eher auf Eigenentwicklungen statt auf die Produkte von Dialog setzten könnte (Bericht). Dieses Gerücht genügte vielen Anlegern um umgehend auf den Verkaufsknopf zu drücken!

 

Für mich völlig unverständlich und übertrieben, denn ich hatte zuvor die aktuelle Präsentation des Unternehmens gelesen und auch die Informationen des letzten Technologie-Events zur Kenntnis genommen. So wird sich der Wert der Halbleiter mit Powermanagement-Funktionen in Smartphones und Ladegeräten in den nächsten Jahren laut Unternehmensaussagen verdreifachen. Denn es müssen Lösungen für effizienteres bzw. drahtloses Laden, höhere Spannungen und die Integration von zusätzlichen Funktionen auf dem selben Chip gefunden und implementiert werden. Dialog ist hier an vorderster Front dabei, bietet bereits Technologien und Produkte an, und dies wird sich in den Zahlen für 2017/18 positiv niederschlagen.

 

Gerade jetzt ein Gerücht für 2019 zu streuen, dass man den Umsatz mit Apple "vollständig" verlieren könnte, hat für mich daher einen Nachgeschmack. Denn die nächsten Zahlen werden Fakten liefern, sehr wahrscheinlich wachsende Umsätze und Gewinne. Die passende und richtige Börsenweisheit dazu lautet:

 

Buy the rumors, sell the facts.

 

Und nicht wie in diesem Fall von einem Bericht getriggert: Sell the rumors (in the far future), buy the facts. Das ist auch der Grund, weshalb ich diese Geschichte hier aufgreife: Ich vermute, viele Privatanleger haben hier verkauft und institutionelle Anleger standen auf der Gegenseite und haben dankbar eingesammelt. Eine generell freundliche Börsentendenz nach der Frankreich-Wahl und die ziemlich wahrscheinlich besseren Zahlen für 2017/18 bewirken ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.

 

Außerdem sehe ich in Dialog Semiconductor nach wie vor eine der profitabelsten Halbleiterfirmen überhaupt. Sie ist innovativ, hat ein Alleinstellungsmerkmal und diversifiziert kontinuierlich bei Kunden, Produkten und Geschäfts-Bereichen. Dabeibleiben, Geduld zeigen!

 

Last but not least eine Anmerkung zu Manz. Eigentlich verläuft hier alles planmäßig, das Unternehmen kommt bei seinem Joint Venture voran, wie man Mitte April vermeldete. Damit kann der Auftrag im Gesamtvolumen von 263 Mio. Euro abgewickelt werden und wird die Profitabilität spürbar verbessern. Der Aktienkurs ist aber wieder auf 37 Euro zurückgegangen, nahe dem Niveau von 36 Euro, wo er vor Verkündung des Deals Anfang Januar 2017 stand. Stellt sich damit die Frage: erneut eine gute Einstiegsgelegenheit oder nicht? Denn die einzige Erklärung, die sich für den Kursrückgang finden läßt, wäre der Entschluß des CEOs Dieter Manz, sein Mandat mit der nächsten HV niederzulegen und den Posten an seinen Nachfolger zu übergeben. Ändert das etwas am positiven Ausblick für Manz? Ich denke nicht, daher für mich in der Tat eine Kaufgelegenheit.

 

Schön das Mr. Market mittel- und langfristig agierenden Anlegern immer wieder Bälle zuspielt und Chancen eröffnet! Wie die Sache ausgeht, darüber werde ich natürlich berichten.


 

Zum Abschluß möchte ich meinen Lesern drei Artikel ans Herz legen:

 

In "Die dünne Spitze der Pyramide" geht es darum, wie es manche Länder und Unternehmen schaffen, sich ihre Innovationsfähigkeit zu erhalten, während es Gegenbeispiele gibt, die nie in die Spitzengruppe der entwickelten Länder oder Top-Unternehmen aufschließen. Es geht also um Produktivität und deren Kennziffern. Das klingt langweiliger als etwa wo der FED-Zins in den nächsten Monaten stehen wird, der über das Wohl und Wehe der Börse entscheidet.

 

Wer sich aber für die langfristige Entwicklung eines Landes oder einer Firma interessiert, kommt nicht darum herum, sich Gedanken zu diesem Thema zu machen. Wie effizient und wie innovativ ist das Unternehmen und seine Produkte? Welche Tendenzen gibt es bei Löhnen, Demographie und Kosten? Ein sehr guter Artikel zum Einstieg in dieses Thema und auch sehr gute weiterführende Links und Quellen.

 

Apropos Lohnentwicklung: Thomas Piketty hat mit "Das Kapital im 21.Jahrhundert" einen Bestseller geschrieben und forscht nun unter anderem zur Entwicklung in China. Seine neue Studie wird auf Never mind the markets aufgegriffen und zusammengefaßt: China hat eine signifikante Privatisierungswelle gesehen, aber immer noch einen höheren Anteil an Staats-betrieben. Gleichzeitig ging Chinas Wandel vom Kommunismus zum Kapitalismus mit einer wachsenden Einkommensungleichheit einher und einem demografischen Wandel (1-Kind Ehe, Verstädterung). Dabei stößt er für die Top-Verdiener auf ganz ähnliche Tendenzen wie in USA und Frankreich, während die "Bottom 50%" in China besser abschneiden: Ihr Einkommen verfünffachte sich real von 1978 bis 2015.

 

Last but not least möchte ich auf eine Kolumne von Jason Zweig hinweisen. Sein Artikel mit dem Titel The expensive ingredient of cheap ETFs bringt auf den Punkt, was ich in meinem Blogbeitrag Auch ETFs sind Derivate ansprechen wollte. Unbedingt lesenswert!

 

Often dirt-cheap to own,

ETFs can still be costly to buy and sell.

Jason Zweig
 

Interessante Lektüre wünscht

Covacoro


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