3+1=5 - der andere Wochenrückblick KW12/16

Der COVACORO-Wochenrückblick: lesenswerte Artikel, interessante Videos. Heute werfen wir nach längerer Zeit wieder einen ausführlicheren Blick auf englischsprachige Blogs. Es ist immer wieder frappierend, wie sehr sich Themen überschneiden oder unterscheiden im Vergleich zu Deutschland.


 

Ein ausgezeichneter Blog ist Musing on markets von Professor Aswath Damodoran. Er bringt sozusagen die Sicht der Wissenschaft auf Finanzen und Unternehmensbewertung in die Blogszene ein und wer sein Archiv durchsucht, wird zum Beispiel Artikel dazu finden, wie man Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Google bewerten könnte oder was eine Franchise-Marke wie Star Wars ökonomisch wert sein kann. Für Value-Investoren sicher eine interessante Möglichkeit hinzuzulernen.

 

Sein aktueller Artikel beschäftigt sich aber mit den negativen Realzinsen (Link). Er ist sehr ausführlich und behandelt nicht nur die Auswirkungen auf Wirtschaft und Unternehmenswert, sondern auch die oftmals vergessene Unterscheidung zwischen Marktzinsen und den durch die Notenbanken festgelegten Einlagezinsen. An dieser Lektüre hat man schon ein wenig zu knabbern, bis man alles versteht. Wer sich nicht sicher ist, ob er den gesamten Text lesen will,

kann zunächst in den Video-Blogbeitrag hineinschauen: 
 

Negative interest rates, Video-Blog Musing on Markets, via Youtube


 

Der Aleph-Blog von David Merkel versucht den Blick in die "Gehirne des FOMC" (Abkürzung für das Federal Open Market Comittee der US-Zentralbank, welches die Leitzinsanpassungen beschließt). Die EZB bezeichnet er übrigens als "partner in crime": ein Mittäter! Anlass waren natürlich die letzten Notenbanksitzungen im März (Link). 

 

Anhand von verschiedenen Charts zeigt er, dass die Notenbank vier systematische Fehler immer wieder begeht (Daten seit 2011 wurden ausgewertet): 

  • Überschätzung der BIP-Wachstumsrate
  • Unterschätzung der Arbeitslosigkeit
  • Überschätzung der Inflationsrate
  • Überschätzung der Fed Funds Rate am Jahresende (amerikanischer Leitzins)

Seine Schlussfolgerung fällt dann auch vernichtend aus: Die Annahme, dass die Fed-Politik funktioniert oder dass sie die Wirtschaft unter Kontrolle hat, ist nicht haltbar. Eine Generalüberholung der Theorien, die dieser Politik zugrunde liegen, ist dringend nötig.

 


 

Bevor wir den Sprung nach Singapur wagen, möchte ich zwei Artikel von Jason Zweig empfehlen. Seine Bücher stehen ja seit langem auf meiner Empfehlungsliste und er war u.a. Herausgeber einer aktualisierten Ausgabe von Intelligent Investieren von Benjamin Graham.

 

In "The three worst words of stock market advice" (möglicherweise per Google Suche aufrufen, das WSJ verhindert die vollständige Artikelanzeige teilweise) geht es darum, dass niedrige Kurse eigentlich eine höhere Sicherheit und geringeres Risiko bedeuten. Diese Ansicht beherzigen aber nur antizyklische, also querdenkende (contrarian) Investoren. Oftmals steigt die Zuversicht mit den Kursen und umgekehrt fällt sie, wenn es abwärts geht. Entgegen den eigenen Emotionen entgegen der Herde zu handeln, ist sehr schwierig.

 

Der zweite Artikel "Cash is now a sin" beschäftigt sich mit der Frage, warum die Cashquote in vielen Investmentfonds so stark rückläufig ist. Hat es damit zu tun, dass die Konkurrenz durch stets voll investierte Indexfonds (ETF) zugenommen hat oder dass es auf Tagesgeld keine auskömmlichen, positiven Zinsen mehr gibt? Nun, wer Cash hält, muß sich bewußt sein, dass er bei steigenden Kursen den Index zum Teil deutlich unterperformen wird. Dazu muß man bereit sein. Risikoreduktion auf Ebene des Gesamt-Portfolios (durch eine bewußt gesteuerte Cashquote) kostet Performance. An den Nutzen von Cash werden sich vermutlich viele erst dann erinnern, wenn das nächste Börsengewitter vorbeigezogen ist.


 

Apropros contrarian investing: wer nach Investment-Ideen abseits der Masse sucht, kann bei Tiho vom Blog shortsideoflong vorbeischauen. Im Artikel Stocks, Bonds, Singapore & El Nino findet sich ein Rückblick auf die Entwicklung des S&P500 und der wichtigsten Anleiheklassen seit Anfang 2016 sowie die Idee, das man ja jetzt auf El Nina und steigende Agrarpreise setzen könnte. Das ist aber definitiv nichts für den Autor dieser Seite, der sich nun erstmal in den Urlaub verabschiedet. Ab 4.April geht es hier weiter.

 

Erfolgreiche Investments wünscht

Covacoro

 


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